Ich war dort auf der Boundcon. Hier mal ein kleiner Bericht....

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»Keine Show, keine Performance – das war ein Spiel«»Boundcon 2008«: Umfangreiche Messe rund um Bondage, Fetisch und SM vom Münchner Publikum gut besucht.München (DrB ) - »Beim nächsten Mal merkst du dir’s«, dachte sich der Reporter schuldbewusst nach der »Japanese Bondage Performance« von Patrick Adrian Peck (
www.shibaribypatrick.de ). Der Verfasser dieser Zeilen hatte es nämlich wieder geschafft, einen Tick zu spät zu Patricks Performance auf der »Boundcon 2008« zu kommen. Gut ein Viertel der Darbietung war schon gelaufen. Ärgerlich, denn der Reporter hat die Performance schön öfters auch auf anderen Messen gesehen, und empfindet sie persönlich als die Beste. Mag vielleicht auch mit dem außergewöhnlich sympathischen Modell zusammenhängen…
Patrick interpretiert in seiner Bondage-Performance gemeinsam mit seiner Partnerin Shibari und Kinbaku. Der Stil der Performance könnte als »japanisch-asiatisch, mit deutlichen Spuren chinesischen Flair« beschrieben werden. Die Performance hat einen Tick Showcharakter, ist fast eine kleine Inszenierung, in denen das Bondage in Ablauf und Struktur auf ganz spezielle Musikstücke abgestimmt wird. Einzigartig sind die Blicke des Modells. Man hat das Gefühl, sie sehnt jede weitere Seilwindung herbei. Ihr Blick? Unglaublich stolz, stolzer als bei anderen Modells an diesem Abend.
Ungefähr parallel zu Patricks Performance hätten die Kollegen vom selfbondageforum.de eine Performance gehabt. Die stand auch auf dem Besuchsplan. Aber die Blicke von Patricks Modell waren einfach fesselnder…
Das dürfte auch so ziemlich das einzige Problem sein: Es war so viel los in der »Zenithhalle« im Münchner Norden, dass etliche Performances parallel abzulaufen schienen. Während des Besuchs gab es auf der Bondage-Bühne in der Nähe des Eingangs eine Performance mit einem männlichen Modell. Den fesselnden Part hatte ebenfalls ein Mann. Relativ viele Pärchen schauten zu – im Gegensatz zu anderen Performances, wo mehr einzelne Männer die klare Überhand hatten. »Puhh, wenn der den jetzt nicht mehr halten«, meinte eine Frau zu ihrem Begleiter. Aber der klärte sie auf, dass die Seilwindungen so gelegt seien, dass auch eine nicht so kräftige Frau den Mann aus seiner Lage heraushelfen kann.
Die Halle war außerordentlich gut mit Ständen und Ausstellern bestückt. Es dürfte wohl nichts gegeben haben, was ein Bondage-Herz nicht erfreut. Bestimmt mehr als 95% der Aussteller dürften unter die Rubriken Bondage, Fetisch oder SM einzuordnen sein. Nur der Rest sind Aussteller, die mit Vibratoren oder ähnlichem Spielzeug auch auf normalen Sexmessen zu finden sind.
Ein SM-Stand. Er ist freilich auch mit Bondage-Toys (Stricken, Knebel) bestückt, aber SM-Utensilien (Peitschen, Rohrstöcke etc.) sind klar in der Überzahl. Ein Pärchen diskutiert mit dem Standbetreiber, wann denn nun Bondage aufhöre, und SM beginne. An den Ausstellungsstücken wollte es niemand so richtig festmachen. Nichtsdestoweniger hat der Aussteller eine ziemlich prägnante persönliche Meinung: »Fesseln dauert mir zu lange«, grinst er. Kurz und schmerzvoll – die Zauberformel in unserer heutigen schnelllebigen Welt?
Viele Bondage- und SM-Möbelstücke kennt man aus dem Internet. Aber ein Möbel hat es dem Auge des Reporters angetan: Eine Art Bettgestell ist beweglich an einer Art Schaukeleinrichtung aufgehängt. Es ist alles rundum zugänglich, frei bewegbar, federnd aufgehängt. Die Fantasie des Betrachters macht Salto Mortale. Allerdings kommt man schnell wieder auf den Boden bei der Frage nach dem Preis: »Wenn Sie es so heut Abend gleich nach der Messe mitnehmen, dann 3.800 Euro, sonst beträgt der Regulärpreis 4.500 Euro«, erläutert der Aussteller von
www.folterknecht.de. Der Preis ist vermutlich sogar gerechtfertigt. Aber wer hat die Räumlichkeiten, um dieses Spassding vor den Augen seiner Kinder zu verbergen?
Der Abend endet auf der Hauptbühne mit einer Performance des Bondage-Meisters Matthias T.J. Grimme. Er ist beim Magazin »Schlagzeilen« aktiv, und überdies noch Autor der Bücher »Bondage-Handbuch« und »SM-Handbuch«. Er dürfte überdies der Hauptfesselungskünstler beim
www.bondageproject.de sein. Gleich vier Frauen verpackt er auf der Bühne kunstgerecht, bis jede zumindest kurzfristig in einer Hänge-Bondage taumelt. Ein unglaubliches Stilleben, was sich dem Betrachter dort in einem schönen Lichtspiel präsentiert. Nach der Entfesselung der Modells klärt Grimme das Publikum auf: »Das war jetzt keine Show, und keine Performance – sondern einfach nur ein Spiel.« Von den vier Frauen seien nur zwei Modells von ihm gewesen – die anderen beiden seien Frauen befreundeter Aussteller gewesen, die er just soeben auf der Bühne zum ersten Mal getroffen und gefesselt hatte. Er bedankt sich natürlich ganz speziell bei diesen Neumodells und ihren Männern sehr herzlich – man fühlte, dass es die Damen sichtlich genossen haben.
Schade, dass schon Schluss ist. Eigentlich wollte der Verfasser dieser Zeilen nur zwei Stunden bleiben – es wurden fast vier daraus. Fesselnde Thematiken eben. Auch der Chef von
www.fesseltrieb.de ist zufrieden. »Der Sonntag war sogar noch besser als der Samstag«, bekundet er, »das gab’s noch nie auf einer Boundcon.« Der Spezialist für Bondage-Seile jeglicher Art freut sich jedenfalls auf die nächste Veranstaltung in München: »Das Publikum hier ist irgendwie menschlicher und netter.« – Tja, Bayern eben. Der Reporter freut sich ebenfalls über den anregenden Abend – und als ihm just beim Weg zum Hallenausgang auch noch das Modell von Patrick übern Weg läuft und ihn anzuzwinkern scheint, nimmt er sich felsenfest vor, dessen nächste Performance wirklich von Anfang zu erleben. ##
Beitrag geändert von: Dr.Bondage, am: 2008/06/04 15:07
Beitrag geändert von: Dr.Bondage, am: 2008/06/04 15:09